Deutschland Schwarz Weiß - Noah Sow - Liste dummer Sprüche
Noah Sow
 

Liste dummer Sprüche

Die antirassistische Schwarze Medienorganisation „der braune mob“ hatte Schwarze Menschen in Deutschland dazu aufgerufen, Sprüche einzusenden, die sie langweilen, um daraus „die 100 dümmsten Phrasen“ zusammenzustellen. Im Buch „Deutschland Schwarz Weiß“ werden die Top 25, jeweils mit praktischen Antwort-Anregungen, vorgestellt. Wir präsentieren Ihnen auf dieser Website einige davon.

Für weiße Mitbürger: Klicken Sie einfach einen der nachfolgenden Sprüche an, von dem Sie meinen, er könne auch von Ihnen stammen.

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Woher kommst du?
 

Diese Frage ist nur der Korken, der ein ganzes Fass aufmacht. In einer Einsendung wurde es treffend so beschrieben:

Frage: Woher kommst du?
Sie: Aus Hannover/Deutschland …
Frage: Nein, ich meine, woher kommst du wirklich?
Sie: Aus Hannover/Deutschland …
Frage: Aber … Du bist doch nicht deutsch, oder???
Sie: Doch, ich komme aus Hannover/Deutschland …

Ist die Antwort auf „Woher kommst du“ nicht „Abu Dhabi“, sondern „Bielefeld“, reagieren Weiße enttäuscht und ungläubig. Da allseits bekannt ist, dass es Schwarze mit der Wahrheit nicht so ernst nehmen, wird vorsichtshalber noch zigmal nachgefragt, ob das wirklich stimme, beziehungsweise woher denn der Vater oder die Mutter käme („Bielefeld“ und „Kiel“) oder der Opa („Warschau“). Weigert sich diese unverschämt widerborstige Person dann immer noch, anständig zu antworten, darf man pampig werden: „Du weißt schon, was ich meine!“ oder: „Die Schwarzen, die ich kenne, sind stolz auf ihre Wurzeln!“ Klar, nicht jede hat die Nerven, nicht von vornherein mit „Abu Dhabi“ zu antworten, um gleich Ruhe zu haben, und Stolz auf Wurzeln in Bielefeld zu entwickeln ist sicher möglich, bedarf aber einer gewissen Übung.

Wenn man mit dem ganzen Theater dieses aufgezwungenen Dialogs durch ist, kann man sich dafür wenigstens belohnen, indem man zurückfragt: „Wie oft hast du denn schon mal eine weiße Deutsche innerhalb von fünf Minuten nach dem Kennenlernen gefragt, woher ihr Opa kommt, und dafür keinen Vogel gezeigt bekommen?“

Da „Woher kommst du?“ außerdem immer impliziert, jemand gehöre nicht wirklich hierher, muss kein Mensch ehrlich darauf antworten. Dass es nie um die Person geht, sondern immer nur um die Neugier der Fragesteller nach irgendeiner spannenden exotischen Geschichte, beweist die Tatsache, dass nach einer willkürlichen Antwort, beispielsweise: „Bin letzte Woche aus dem Kongo hierher gezogen“ der Dialog üblicherweise beendet ist, weil der Fragesteller danach garantiert von seinen Ferien- oder Doku-Channel-Erlebnissen referiert. Mit dieser Auskunft, egal wie surreal sie ist (Menschen aus dem Kongo sprechen recht selten nach drei Bier original bayerisch), glaubt der Fragende, sowieso schon genug zu wissen. […]

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Den ausführlichen Text finden Sie im
Buch

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„Gehst du mal in deine Heimat zurück?“
 

Antwort: „Was, nach Bielefeld?? Nee!“

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„Du bist doch die Joy!“
 

Einzig mögliche Antwort: „Du bist doch der Langweiler!“

Eine repräsentative Studie an vier weißen Mädels mit braunen glatten Haaren in einer Kneipe hat letztens ergeben, dass auch diese eher ablehnend darauf reagieren, wenn man sie nicht nach ihrem Namen fragt, sondern ihnen schräg von der Seite ein Schnitzel ans Ohr quatscht, wer sie denn ganz bestimmt seien, doch ganz sicher die Sabine aus Barmbek, die so schöne Zähne hat.

Dass Weiße alle anderen nicht auseinanderhalten können, liegt daran, dass es für sie offenbar keine Notwendigkeit darstellt, denn „die Inder“, „die Türken“, „die Afrikanerinnen“ (die Liste lässt sich fortführen) werden ja hierzulande die ganze Zeit über einen Kamm geschoren. Treten sie dann im echten Leben als Individuum auf, werden die Fragesteller verkrampft und defensiv: „Du siehst aber genau so aus wie die Joy!“ […]

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„Du kannst doch bestimmt super singen!“
 

Antwort: „Und du kannst bestimmt super schnell laufen. Versuchs mal. Über die sechsspurige Straße da.“

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„Warum liegst du denn in der Sonne? Du bist doch schon braun!“
 

Auch hier möchte man aufschreien: „Nachdenken, Mann!“ Ob man noch lange die Herrenrasse ist, wenn man das Ozonloch so weit heruntergerockt hat, dass alle an Hautkrankheiten sterben, ist eine Gegenfrage, die sich einem hier förmlich aufdrängt, aber selten folgenlos geäußert werden kann. Eine Alternativ-Antwort wäre: „Ach so? Warum hat das nur niemand Rex Gildo gesagt?“ […]

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„Ich finde es eine große Bereicherung,
dass es in meinem Viertel so viele Farbige gibt!“
 

Antwort: „Noch schöner wär’s natürlich, wenn die auch draußen tanzen würden.“

Spaß beiseite, wir erinnern uns: Alle Menschen sind gleich. Die Rassifizierung von „Hautfarbe“ sagt in Wirklichkeit genau so viel über jemanden aus wie Schuhgröße oder Augenfarbe. Das Einzige, was an Schwarzen Menschen wirklich anders ist, ist, dass sie von den Weißen blöd behandelt werden.

Biologisch könnte die Antwort also ebenso lauten: „Ich finde es auch eine große Bereicherung, dass es in meinem Viertel so viele Menschen mit Schuhgröße 42 gibt!“

Und gesellschaftlich: „Ich finde es auch eine große Bereicherung, dass in meinem Viertel so viele Leute leben, die Erfahrung mit Diskriminierung haben!“

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„Ach! Ihre Mutter ist Deutsche?
Sie sind aber ganz nach dem Vater gekommen!“
 

Mögliche Antwort: „Ach, Sie hängen also seit 1975 mit meinem Vater rum! Deswegen wissen Sie so genau Bescheid!“

In diesem Spruch stecken so viele Unverschämtheiten (Schwarz = nicht deutsch, weiß = deutsch, nicht-arischer Teint = einziges körperliches Merkmal, Schwarze Person ansehen = private Fragen stellen und biologisch einordnen dürfen), dass durchaus auch Antwort b) gerechtfertigt ist: „Bei mir weiß man wenigstens genau wer’s war!“ Ab hier Mitleidsmine aufsetzen und fortfahren mit: „Ihre Situation muss ja sehr schwer sein … immer dieser Verdacht: War er wirklich mein Vater? Weiße sind ja zu über zwanzig Prozent Kuckuckskinder, hab ich gelesen. Furchtbar. Wie gehen Sie denn damit um?“

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„Sei doch nicht so empfindlich!“
 

Antwort: „Warum schreien weiße Deutsche eigentlich immer auf, wenn man sagt, Deutschland sei voller Nazis? Fühlen die sich angesprochen? Warum? Sie sind doch nicht gemeint? Warum sind sie so empfindlich?“

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„Fühlen Sie sich eher als Deutsche oder Afrikanerin?“
 

Antwort: „Fühlen Sie sich eher als Mann oder als Blödmann?“

Alternativ: „Fühlen Sie sich eher als Sozialpädagogin oder als Europäerin?“

Oder: „Wenn ich nicht ständig solche dummen Fragen hören würde, würde ich mich auf alle Fälle schon mal besser fühlen.“

(Erklären Sie mir doch mal genau, wie man sich ‚deutsch fühlt’. Fühlen Sie sich deutsch? Wieso? Wodurch?)

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„Oh, diese schönen Haare …“ (und dann mal schnell reingreifen)
 

Antwort: „Für jemanden wie Sie, die es gut findet, von Fremden überall angefasst zu werden, ist es wahrscheinlich schwer zu verstehen, dass das nicht jedem so geht.“

Alternativ-Antwort: „Ich weise Sie hiermit in Ihre Grenzen von 1945!“

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„Ist es in Harlem nicht gefährlich?“
 

Antwort: „Nee, aber in Mügeln.“

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„Sie sprechen aber gut deutsch!“ (auch:
„Sie sprechen unsere Sprache ja schon sehr gut.“)
 

Antwort: „Danke, Sie aber auch!“

Noch bessere Antwort: „Das kann man von Ihnen leider nicht sagen!“

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„Ich kann gar kein Rassist sein, ich habe eine Schwarze Ehefrau /
Schwarze Kinder.“
 

Das ist das dümmste „Argument“ von allen. Antwort: „Ach so, na dann. Ich wusste gar nicht, dass sich durch Bumsen jahrzehntelange soziale Prägung auslöschen lässt!“

(Und ganz nebenbei: Wenn mit jemandem zu schlafen oder verwandt zu sein die Garantie für vorurteilsfreien Umgang ohne Unterdrückung wäre, gäbe es keine zerstückelten Ehemänner in Kühltruhen, Geschwister, die sich um ihr Erbe kloppen, Kinder, die verbittert den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen oder den Impuls, das Auto der/des Ex anzuzünden.)

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„Ich versteh genau, wie du dich fühlst, ich kenn das auch.“
 

Antwort: „Ach so, Verzeihung, ich wusste nicht, dass Sie/Du auch Schwarze Deutsche sind/bist.“

In sozialwissenschaftlichen Studien kann man vielleicht versuchen herauszufinden, welche Zumutungen jeweils welche Auswirkungen haben, aber bitte denken Sie nicht, nur weil Sie auch irgendwelche Ausgrenzungserfahrungen gemacht haben, wüssten Sie, wie ein Leben als Schwarze Person ist. Der gern erbrachte Vergleich „Ich war auch schon mal die einzige Weiße in ….“ hinkt unter anderem auch deshalb, weil man Erfahrungen als Angehörige/r einer unterdrückten Minderheit nicht machen kann, wenn man nicht zu ihr gehört. Als weißer Tourist in einem Land, in dem Sie überproportional reich sind und wissen, dass es nicht Ihr Land ist (obwohl viele sich trotzdem so aufführen), können Sie nicht nachvollziehen, wie es ist, wenn die meisten Deutschen Sie nicht als vollwertigen Bürger betrachten, oder wie es ist, Ausdrücke an den Kopf geworfen zu bekommen, die Sie aufgrund optischer Merkmale entmenschlichen. [...]

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„Aber dann darf ich ja auch nicht mehr … xy … sagen!“
 

Antwort: „Klar dürfen Sie. Aber ich darf Sie dann für ein Arschloch halten.“

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„Warum soll ich denn nicht NEGER sagen?“
 

Antwort: „Sie nennen Menschen ja auch nicht ‚Arier’. Wenn doch, verschwinden Sie, bevor ich die Bürgerwehr hole!“

Unterm Strich kann zusammengefasst werden, dass nicht für alles, was die Gehirnwindungen ungefiltert verlässt, Applaus oder Verständnis erwartet werden kann. Wer redet, ohne nachzudenken, sollte hinterher nicht beleidigt sein, wenn er als Vollidiot dasteht.

Gekürzte Textauszüge aus
Noah Sow: Deutschland Schwarz Weiß

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